Mehrheit lehnt Konzept der Gemeinschaftsschulen ab - Arbeitskreis Schule und Bildung

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Mehrheit lehnt Konzept der Gemeinschaftsschulen ab

Themen des Tages

„Mehrheit lehnt Konzept der Gemeinschaftsschulen ab“
22.07.2014

Von Andreas Schuler
Der Arbeitskreis Schule und Bildung ist ein Zusammenschluss von Bürgern, der sich in die Diskussion
über Schule und Bildung einbringt. Der Stockacher Ewald Wetekamp gehört dem Kreis an

Herr Wetekamp, was ist der Kern Ihrer Kritik an der
Gemeinschaftsschule?
In unserer Kritik orientieren wir uns an den in der Landesverfassung und im Schulgesetz formulierten
Erziehungs- und Bildungszielen. Ihnen liegt das personale Menschenbild zugrunde. Diesem entspricht der
pädagogische Grundgedanke, dass der Beziehung zwischen Lehrer und Schüler größte Bedeutung zukommt. Ziel
ist die Bildung des Schülers und das Lernen. Wir sind der Überzeugung, dass die Ziele aus Landesverfassung
und Schulgesetz mit dem von der Landesregierung formulierten pädagogischen Konzept für die
Gemeinschaftsschule sehr wahrscheinlich nicht zu erreichen sind. Denn dem Konzept der Gemeinschaftsschule
liegen eine Weltanschauung und ein Menschenbild zugrunde, die in eine andere Richtung gehen, nämlich die des
relativistischen Konstruktivismus und des homo oeconomicus. Beides wurde in der wissenschaftlichen Literatur
ausführlich belegt.

Was heißt das?
Dass es in der Gemeinschaftsschule im Wesentlichen keine Klassengemeinschaft mehr gibt und dass der Lehrer
in seiner bisherigen Unterrichtsgestaltung und bei der Klassenführung beschnitten werden soll, hängt mit diesen
geistigen Grundlagen zusammen. Die Landesregierung wollte mit ihrer Schulgesetznovelle aus dem Jahre 2012
einen radikalen Paradigmenwechsel im Bildungswesen vollziehen. Nicht evolutionäre Weiterentwicklung,
sondern der Versuch, mit der differenzierten Schullandschaft Baden-Württembergs zu brechen, sprechen aus
dieser Novel le: nicht mehr Lehrer, sondern Lernbegleiter, nicht mehr jahrgangsbezogene
Klassengemeinschaften, sondern schul- und jahrgangsübergreifende Lerngruppen, nicht mehr der
Klassenunterricht, sondern selbstorganisiertes Lernen sollen laut Landesregierung schulbestimmend sein.

Was ist Ihre Alternative zur Gemeinschaftsschule bzw.
was ist notwendig, um unser Schulsystem zu verbessern?
Unser Arbeitskreis hat zu dieser Frage ein Faltblatt entworfen: „Gute Schulen braucht das Land“. Wir sind der
Überzeugung, dass der Bildungsgedanke im klassischen Sinne wieder mehr beachtet werden sollte. Unseres
Erachtens sollte viel mehr Wert auf die Gemeinschaftsbildung gelegt werden.

Gleichzeitig wächst die Anzahl der Gemeinschaftsschulen
kontinuierlich.
Richtig ist, dass es seit dem Schuljahr 2012/2013 jedes Jahr einen Zuwachs an Gemeinschaftsschulen gegeben
hat. Die Gründe sind vielfältig, und man muss sich jeden Ort, der eine Gemeinschaftsschule beantragt hat, genau
anschauen. Tatsache ist, dass kein Gymnasium und kaum eine Realschule Gemeinschaftsschule werden wollen.
Bislang ist die Gemeinschaftsschule eine Haupt- und Werkrealschule mit anderem Namen und anderer
Pädagogik. Glaubt man Umfragen und persönlichen Gesprächen, so lehnt die Mehrheit der Baden-Württemberger 
das Konzept der Gemeinschaftsschulen ab.

Was müsste passieren, damit Gemeinschaftsschulen Sinn
machen?
Wir lehnen das pädagogische Konzept der Landesregierung für die Gemeinschaftsschule grundsätzlich ab.
Damit formulieren wir aber kein Urteil über die real existierenden Gemeinschaftsschulen im Land. Da muss man
sich jede Schule gesondert anschauen, und in der Praxis sieht vielleicht manche Schule, die sich
Gemeinschaftsschule nennt, ganz anders aus als das, was die Landesregierung anstrebt. Was aus den
bestehenden Gemeinschaftsschulen werden soll, muss diskutiert werden. Sicher kann man sie jetzt nicht von
einem auf den anderen Tag schließen.

Wieso ist der Arbeitskreis eigentlich in Stockach ansässig?
Wir sind ein loser Zusammenschluss von Eltern, Lehrern und anderen an Bildungsfragen interessierten
Bürgerinnen und Bürgern aus ganz Baden-Württemberg. Zusammengefunden haben wir uns im Frühjahr 2012,
kurz vor der Verabschiedung der Schulgesetznovelle im April 2012. Wir haben große Bedenken gegen das
Konzept der Landesregierung für die Gemeinschaftsschule, das war und ist ein Motiv unserer Zusammenarbeit.
Aber wir melden uns auch zu anderen Fragen des Bildungswesens zu Wort. Da ein Internetauftritt und die
weitere Öffentlichkeitsarbeit eine Anschrift benötigen, haben wir uns auf meinen Namen und meine Anschrift
geeinigt.

Was tun Sie an Überzeugungsarbeit?
Unser Ausgangspunkt ist die Überzeugung, dass sich jeder Bürger selbst eine Meinung bilden kann, wenn ihm
sachkundiges Material zur Verfügung gestellt wird. Deshalb haben wir eine Internetseite, www.arbeitskreisschule-und-bildung.de, 
aufgebaut, die rege genutzt wird. Wir verschicken Pressemitteilungen und andere Texte
an Multiplikatoren und die Medien im Land. Wir suchen das Gespräch mit jedem Interessierten. Und wir beraten
und unterstützen auf Wunsch auch Bürger vor Ort, die eine Initiative oder ein Bürgerbegehren anstreben. Wir
finden, dass viel mehr über Pädagogik und Bildung miteinander gesprochen werden sollte.


 
 
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